Liberté, égalité, Platzkapacité

Früher ging es in der Theaterwerbung um Stücke, Inszenierungen, Kostüme, Emotionen, Rhythmus, Klang, Witz, Symmetrie, Eleganz, Zauber. Wir diskutierten über Imagewerbung und Abokampagnen, über Untertitel und Bildausschnitte. Mit harten Bandagen kämpften wir um Farbverläufe, den Einsatz von Haze auf Fotos, Halbsätze, Semikolons. Wir kamen uns unglaublich wichtig dabei vor. Wir waren die Wächterinnen über Sinn und Ästhetik. Die Simultandolmetscherinnen aus dem Dramaturgischen ins Deutsche. Wir waren die Kommunikationsabteilung des Theaters. Wir lebten im La-la-land der Kunst.

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Pastell-bewegtes Trotzdem-Glück

Ich habe ein Buch verliehen, Allegro Pastell von Leif Randt. Selbst hatte ich den Roman in drei Tagen durch, die Authentizität der Figuren und ihrer Sprache ließen mich Seite um Seite umblättern, ich fand mich selbst in Teilen der Figuren – in Tanja, Jerome, Maike, Jannis … Die federleichte Melancholie bei gleichzeitigem Trotzdem-Glück in den verschiedenen Handlungssträngen erinnerten mich an mein eigenes Leben und das meiner Generation. Weiterlesen „Pastell-bewegtes Trotzdem-Glück“

2. FC Opera

Meine letzte Opernpremiere vor dem Lockdown war am 7. März die monumental besetzte Grand Opéra Die Trojaner von Hector Berlioz. Tags darauf war ich beim Zweitliga-Spiel Holstein-Kiel gegen Greuther-Fürth. Aufmerksame Leser*innen dieses Blogs werden sich vielleicht daran erinnern. Es erscheint, acht Wochen später, als völlig absurd. Die Idee, mit Chris ab sofort regelmäßiger über Fußball und Theater zu sinnieren, zu philosophieren und zu debattieren, um sich gegenseitig in Interessensfelder einzuführen, wich schnell den allgemein üblichen Gesprächsthemen: Corona hier, Corona da. Nun nehmen beide Themen – Fußball und Theater – aber wieder an Fahrt auf und wir haben uns ein bisschen ausgetauscht. Weiterlesen „2. FC Opera“

Angebot und Nachfrage

Das nachfolgende Stückchen in 3 Szenen ist frei erfunden. Ähnlichkeiten mit real geführten Dialogen zwischen real existierenden Personen sind reiner Zufall, aber nicht ausgeschlossen.

Szene 1, im chaotisch liebenswürdigen Ambiente des Marketingbüros eines großen Berliner Theaters:

Marketing-Mitarbeiterin 1 (MM1): „So sad, dass wir das Festival absagen mussten wegen Corona. Was machen wir denn jetzt mit den ganzen schönen Stoffbeuteln? Die wird ja jetzt keiner kaufen so ganz ohne Festival.“ Weiterlesen „Angebot und Nachfrage“

Theatertreffen virtuell – Theatertreffen demokratisch

Ich arbeite am Theater. Gerade deswegen habe ich nicht dauernd Zeit, um mir im deutschsprachigen Raum interessantes Theater anzuschauen – es kollidiert einfach zu oft mit eigenen Premieren, Sonderveranstaltungen, Philharmonischen Konzerten … Umso besser, dass es einmal im Jahr, immer im Mai, das Theatertreffen in Berlin, mit den „zehn bemerkenswertesten Inszenierungen“ eines Jahres gibt. Dumm nur, dass ich da dann auch nie hinfahren kann, siehe oben (und Karten kriegen ist auch noch so ein Thema). Weiterlesen „Theatertreffen virtuell – Theatertreffen demokratisch“

Die Liebe in den Zeiten der Corona

Ich habe einen Mann kennengelernt. Wir haben uns getroffen. Einmal, zwei Mal, drei Mal, vier Mal, fünf Mal, sechs Mal. In zwei Wochen sechs Mal. Meine Anziehung, mein Interesse, meine Sympathie, meine Neugier, meine Sehnsucht ihm gegenüber wuchsen exponentiell. Was erstaunlich war, denn schon der Ausschlag unseres ersten Treffens war ungewöhnlich hoch. Meine mathematischen Fähigkeiten halten sich stark in Grenzen, aber so viel verstand sogar ich: Diese Kurve begann nicht schleichend bei O, sondern auf sehr hohem Niveau. Weiterlesen „Die Liebe in den Zeiten der Corona“

1. FC Opera

Jede Art von Beziehung ist ein Kompromiss. Eine Abmachung zwischen Menschen, die vieles verbindet und manches trennt. In letzter Zeit habe ich feststellen dürfen, was es für einen Spaß macht, den Kompromiss zu leben, wenn man neugierig ist und sich füreinander interessiert. Ich war also im Fußballstadion bei einem Zweitliga-Spiel zwischen Holstein-Kiel und Greuther Fürth. Weiterlesen „1. FC Opera“

It could have been love – but it’s Ghosting now

Dieser Text handelt von Kommunikation. Ich mag es gerne ehrlich, direkt, verbindlich, nett. Rumstänkern, rumdrucksen, um den heißen Brei herumreden oder Kommunikation ohne Grund einzustellen ist meine Sache nicht. Darum beschäftigt mich die Wirkung meiner Kommunikation in der Online-Dating-Welt seit einiger Zeit. Ich frage mich ernsthaft, ob ich mir Sorgen machen muss. Drei Beispiele mit Potenziell Tollen Kerlen (PTK)*: Weiterlesen „It could have been love – but it’s Ghosting now“

Augen auf am Wegesrand

Ich mag Pilze. Wenn ich im Wald spazieren gehe, dann sammle ich schon mal den ein oder anderen. Ein edler Steinpilz, ein fester Maronenröhrling, ein weicher Butterpilz oder ein pfiffiger Pfifferling. Auch einen sehr charaktervollen Anis-Champignon habe ich schon eingesammelt, und mich darüber gefreut, ihn nicht mit einem grünen Knollenblätterpilz verwechselt zu haben. Auch die hübschen Parasolpilze mag ich sehr. Es gibt viel am Wegesrand, was ich gerne in meinem Pilzragout sehe und schmecke. Aber der Wald ist ziemlich leergefegt. Weiterlesen „Augen auf am Wegesrand“

Gendergerechte Kommunikation (und andere Megatrends) – eine Gegenrede.

Heute war ich auf der Jahresveranstaltung einer größeren Kieler Werbeagentur, um etwas über die neuesten Marketing- und Kommunikationstrends des nächsten Jahres zu hören. Als Fachidiotin mit wenig Zeit für Blicke über den Tellerrand habe ich das Angebot gerne angenommen und mir einen Nachmittag Kurzvorträge angehört. Die Veranstaltung ließ sich ganz gut an, es gab Saftschorle und ein Süppchen, ein paar bekannte Gesichter und einleitende Gespräche – und eine kleine Messe mit einigen Produkt- und Online-Trends war auch aufgebaut. Weiterlesen „Gendergerechte Kommunikation (und andere Megatrends) – eine Gegenrede.“