Wir brauchen euch.

Ich weiß, dass ich auf diesem Kanal keine besonders große Reichweite habe. Aber ich wollte die kleine Zahl an Leser*innen zumindest nicht ungenutzt lassen, um heute mal ein paar Worte zum neuerlichen „Lockdown“ der Kultur- und Veranstaltungsbranche in Deutschland loszuwerden. Vorweggestellt: Ich bin persönlich heilfroh, dass ich in den vergangenen Monaten im Schauspiel, in der Oper, im Ballett, im Kino, im Konzert, in Museen und in Ausstellungen war – das kann mir jetzt keiner mehr nehmen.

Als bekannt wurde, dass die Kulturinstitutionen erneut für das Publikum schließen müssen, nahm ich eine Welle der Solidarität wahr – augenscheinlich nimmt die ganze Welt Anteil, wenn es diese Angebote nicht mehr gibt. Aber es gibt einen Satz, den ich einfach nicht mehr hören will. Er geht so: „Ach ja, ins Theater (Kino, Konzert, Museum, xxx) wollte ich ja auch schon ganz lange mal wieder gehen.“ „Ja, verdammt noch mal, dann tu es halt einfach!“, will ich dann immer lautstark entgegnen, mache es aber nicht, sondern lächle freundlich und fange an, über Stücke, aktuelle Konzertprogramme, Begleitprogramm sowie Veranstaltungen, die ich durch Medien oder ähnliches mitbekommen habe zu quasseln. Das ist ja auch mein Job, aber ich mache das auch sehr viel im privaten Bereich. Ich mache das sogar wahnsinnig gerne, denn es führt teilweise bis dahin, dass meine Freundinnen, wenn ich über eine olle Komödie ablästere, sagen: „Jetzt würde mich das ja gerade interessieren, ob das echt so schrecklich ist, wie du sagst.“ Das freut mich natürlich. Aber es ändert nichts an der Situation, dass diese Aussagen dann immer noch ein ganz schön großes Stück vom tatsächlichen Besuch entfernt sind. Solidaritätsbekundungen helfen den Kulturinstitutionen und all den freischaffenden Künstler*innen nämlich nur im Sinne einer allgemeinen Empathie, sonst jedoch für absolut gar nichts. Hier folgt nun also eine Aufforderung: Geht hin und sagt es weiter! Macht es einfach.

Ihr habt im November jetzt einen Monat Zeit, Bananenbrot zu backen und Kürbissuppe zu kochen. Während der Kuchen im Ofen gar wird und die Suppe vor sich hin simmert, habt ihr Zeit. Nutzt sie und studiert die Spielpläne und Programme. Bucht euch Tickets für Dezember. Ich kann euch sagen, alle Kulturinstitutionen werden eifrig darauf hinarbeiten, dass sie die Programme für Dezember und darüber hinaus halten können. (Das Rödeln, Disponieren, Organisieren und Verkünden beginnt bereits.) Denn diese Einrichtungen und ihr gesamtes Personal wollen spielen und ihre Kunst zeigen und mit euch teilen. Sie wollen euch beglücken, zum Lachen und zum Weinen, zum Nachdenken und zum Schmunzeln, zum Philosophieren und zum Weiterrecherchieren bringen. Sie wollen so viel mehr als euch nur zu unterhalten. Und falls es anders kommt? Falls die Schließung länger dauert oder die Programme geändert werden müssen? Auch dann werden die Kulturinstitutionen sich kümmern. Keine Sorge, ihr bekommt schon einen Gutschein oder euer Geld zurück. Wir können das jetzt schon ganz gut und eure Kontaktdaten haben wir zur Nachverfolgung von Infektionsketten ja auch. Ihr habt absolut nichts zu befürchten. Wirklich gar nichts. Bitte kommt. Und wer jetzt immer noch einen heißen Tipp braucht: Ihr könnt mich gerne weiterhin fragen. ❤

Foto: So sollte das mit dem Publikumszuspruch aussehen. © Katrin Ribbe

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