Angebot und Nachfrage

Das nachfolgende Stückchen in 3 Szenen ist frei erfunden. Ähnlichkeiten mit real geführten Dialogen zwischen real existierenden Personen sind reiner Zufall, aber nicht ausgeschlossen.

Szene 1, im chaotisch liebenswürdigen Ambiente des Marketingbüros eines großen Berliner Theaters:

Marketing-Mitarbeiterin 1 (MM1): „So sad, dass wir das Festival absagen mussten wegen Corona. Was machen wir denn jetzt mit den ganzen schönen Stoffbeuteln? Die wird ja jetzt keiner kaufen so ganz ohne Festival.“

Marketing-Mitarbeiterin 2 (MM2): „Man müsste da was Anderes draus machen, was jetzt jeder braucht. Wie wäre es mit so Mund-Nase-Schutz?“

MM1: „Voll super Idee, lass mal zur Chefin gehen und das vorschlagen, das kann doch safe die Schneiderei machen. Und die Leute werden das liiiiieben, weil die Dinger sind dann voll individuell. So Unikate.“

MM2: „Und von irgendwelchen Inszenierungen gibt es doch bestimmt auch noch Stoffreste, die cool aussehen. Die kann man auch verwenden.“

MM1: „Au ja, ich hab da schon ne Idee. Ich schreib mal dem Gewandmeister ne Whatsapp, ob es da noch Reste gibt!“

Szene 2, im nüchtern funktionalen Ambiente des Büros des kaufmännischen Direktors desselben Theaters:

Marketing-Leiterin (ML): „Mein Team hatte da diese Idee, was meinst du denn, können wir das umsetzen?“

Kaufmännischer Direktor (KD) (schiebt Brille hoch und sieht vom Monitor auf seinen großen Taschenrechner, der in Griffweite auf seinem Schreibtisch steht): „Eigentlich sind wir in Kurzarbeit, die Schneiderei ja auch. Das muss sich also rechnen mit dem Verkauf, sonst lohnt sich das nicht, die Abteilung aus der Kurzarbeit zurückzuholen. Was sind die Leute denn bereit für diese Mund-Nase-Dinger zu bezahlen?“

ML: „Die Theaterfans und die Hipster zahlen alles. Die finden das richtig gut, was wir machen, besonders wenn es Einzelteile und handgefertigt sind. Für die Kostümmäßigen geht sicher noch mal mehr wegen Fritsch und so als für die upgecycelten Beutel.“

KD: „Ok …“ (murmelt vor sich hin, rechnet) … „Mischkalkulation … monatliches Gehalt … Marktpreis … Achso? Der liegt eh schon um das 10-fache höher? Super … Bisschen was soll ja auch noch dabei rumkommen, neben dem Imagegewinn … Handling im Vertrieb muss man natürlich auch bedenken, aber das deckt sich ja über die Versandkostenpauschale von 4,90 € … und du sagst, die Festival-Beutel hätten sonst 4 € das Stück gekostet?“

ML: „Mhm, ja, genau.“

KD: „Also, so kann das funktionieren: Wir nehmen für die Beutel-Mundschutze 15 € und für die Kostüm-Mundschutze 22 € pro Stück, dann stimmt die Rechnung. Passt? Dann kümmert ihr euch um den Rest.“

ML: „Alles klar.“

Szene 3, Setting wie Szene 1:

MM1: „Alter, du glaubst es nicht, jetzt sind die Teile schon wieder ausverkauft! Ich mein ja, das liegt da dran, dass wir die auf Insta so cool in Szene gesetzt haben, und mal ehrlich, wer kann bei Gesichtsmaske rosa-grün glänzend schon widerstehen?“

MM2: „Auf jeden Fall, das haben wir richtig gut gemacht. Dumm nur, dass wir nicht am Gewinn beteiligt werden …“

 

Foto: Das bin ich mit meinem selbstgemachten Mund-Nase-Schutz. Ist auch ein Unikat.

 

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