Augen auf am Wegesrand

Ich mag Pilze. Wenn ich im Wald spazieren gehe, dann sammle ich schon mal den ein oder anderen. Ein edler Steinpilz, ein fester Maronenröhrling, ein weicher Butterpilz oder ein pfiffiger Pfifferling. Auch einen sehr charaktervollen Anis-Champignon habe ich schon eingesammelt, und mich darüber gefreut, ihn nicht mit einem grünen Knollenblätterpilz verwechselt zu haben. Auch die hübschen Parasolpilze mag ich sehr. Es gibt viel am Wegesrand, was ich gerne in meinem Pilzragout sehe und schmecke. Aber der Wald ist ziemlich leergefegt. Weiterlesen „Augen auf am Wegesrand“

Gendergerechte Kommunikation (und andere Megatrends) – eine Gegenrede.

Heute war ich auf der Jahresveranstaltung einer größeren Kieler Werbeagentur, um etwas über die neuesten Marketing- und Kommunikationstrends des nächsten Jahres zu hören. Als Fachidiotin mit wenig Zeit für Blicke über den Tellerrand habe ich das Angebot gerne angenommen und mir einen Nachmittag Kurzvorträge angehört. Die Veranstaltung ließ sich ganz gut an, es gab Saftschorle und ein Süppchen, ein paar bekannte Gesichter und einleitende Gespräche – und eine kleine Messe mit einigen Produkt- und Online-Trends war auch aufgebaut. Weiterlesen „Gendergerechte Kommunikation (und andere Megatrends) – eine Gegenrede.“

Friseure an der Förde

Ok, Kiel, ich kann nicht mehr. Oder sollte ich besser sagen, ich kann nicht mhair?! Obwohl ausgefallene Friseursalonnamen ganz bestimmt keine Weltneuheit auf dem Webfundestückemarkt sind, konnte ich nicht an mich halten und bin mit der Kamera losgezogen. Denn diese Ballung an ausgefallenen Namen habe ich einfach noch nie erlebt. Weiterlesen „Friseure an der Förde“

Wir sind der Teesatz dieser Zeit

Eigentlich wollte ich heute darüber schreiben, wie es war, als ich eine Stunde auf den Beginn eines Konzertes warten musste, weil die Uhrzeit im Terminkalender der Zeitung falsch angegeben war. Der Entwurf war schon fertig – ich hatte ja eine Stunde Zeit gehabt. Im Omasessel sitzend, Kuchen essend, auf dem Smartphone herumtippend, die anderen Zu-Früh-Gekommenen beobachtend. Aber dann begann das Konzert, und ich schämte mich dafür, auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht zu haben, warum das Warten auf Hannes Wittmer einen Blogbeitrag wert sein sollte. Das beste Werk über das Warten gibt es ohnehin schon, der Unterschied ist, dass Godot nie kam. Hannes Wittmer aber schon. Weiterlesen „Wir sind der Teesatz dieser Zeit“

Wachsen und Wachsen lassen – oder Wie ich meine Würde verlor

Als akademisch ausgebildete, im Kultursektor arbeitende junge Frau, bezeichne ich mich seit einiger Zeit ganz natürlich als Feministin. Alles andere wäre ja auch Schwachsinn. Es ist klar, dass es noch immer keine Gleichberechtigung gibt. Frauen werden für gleiche Arbeit schlechter bezahlt als Männer oder ergreifen schlechter bezahlte Jobs (diese werden aus irgendwelchen Gründen als weniger wertvoll angesehen – entschieden hat das wohl das patriarchale System, in dem wir, auch in Deutschland, immer noch leben). Frauen müssen immer ein Stück besser sein als Männer, und sind laufend konfrontiert mit Erwartungen, die an sie herangetragen werden. Eine Frau in Vollzeit mit Kind – was für eine Rabenmutter. Eine Frau in Vollzeit ohne Kind – die will wohl Karriere machen. Weiterlesen „Wachsen und Wachsen lassen – oder Wie ich meine Würde verlor“

Creatività alla sinistra! (Kreativität mit links!)

Im Mai 2019 war ich zwei Wochen im Bildungsurlaub in der Toskana (wer das Konzept nicht kennt, einfach mal HIER nachlesen. In Kurzform: Der Arbeitgeber schenkt einem 5 Tage pro Jahr zusätzlichen Urlaub, in denen man sich persönlich, aber nicht beruflich (!) weiterbilden kann. Wenn man in einem Jahr nicht im Bildungsurlaub war, kann man sich 2×5 Tage für eine Maßnahme akkumulieren, das habe ich gemacht). Genauer gesagt in einem zu dieser Jahreszeit noch herrlich verschlafenen Nest namens Castiglioncello. Es liegt ca. 30 Minuten südlich von Pisa, direkt an der Adriaküste, und macht es einem leicht, schnell anzukommen. Bahnhof, Edicola, Bagno, Panificio, Bar. Alles da. Um den Bildungsurlaub soll es aber eigentlich gar nicht gehen, ich kann nur empfehlen, das auch mal zu machen. Worum es eigentlich gehen soll ist, dass ich so ungern Sachen für die Tonne produziere. Nun habe ich während dieser zwei Wochen einen Italienischkurs absolviert und weil ich auch gerne was schreiben wollte, hat meine großartige Lehrerin Donata mir die italienische Abituraufgabe von 2018 hingelegt. Man konnte wählen zwischen einer Textanalyse – das haben wir zuerst gemacht, es ging um einen Ausschnitt aus Giorgio Bassanis Il giardino di Finzi-Cottini – und einem Essay zu verschiedenen vorgegebenen Themen. Ich habe mich für das Thema socio-economico entschieden.  Es ging um Kreativität im 21. Jahrhundert. Das also zur Vorrede, jetzt folgt der Text, und, weil ich ja nett bin, habe ich ihn auch übersetzt. Das ist weiter unten zu finden. Weiterlesen „Creatività alla sinistra! (Kreativität mit links!)“

Die Kammer des Schreckens oder Meine Wohnung, ein first world problem

Nach einer Wohnungsbegehung mit der Immobilienfirma, die meinen Vermieter vertritt, stehe ich fassungslos in meinen vier Wänden und frage mich, immer wieder den Kopf schüttelnd und gedankenleer in den Dielenboden starrend: Wie konnte ich nur so viele Jahre in dieser Bruchbude (über)leben? Es ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, ein blanker Wahnsinn, eine Zumutung, nicht für Menschen gemacht. Es ist eine Kammer des Schreckens. Und ein Wunder, dass uns die Elektrik noch nicht um die Ohren geflogen und das Wasser aus den Rohren noch nicht um die Knöchel gespült ist. Wie konnte ich jahrelang nur so blind sein? Weiterlesen „Die Kammer des Schreckens oder Meine Wohnung, ein first world problem“

Alltag, go home!

Glaubt man dem aktuellen Cicero-Magazin, dann ist Peter Sloterdijk (71) „Deutschlands wichtigster Intellektueller“. Gefolgt von Jürgen Habermas (89), Hans Magnus Enzensberger (89), Martin Walser (91) und Peter Handke (77). Ich weiß jetzt, warum. Sloterdijk muss sich nicht um seinen WLAN-Router kümmern. Das muss mein Opa (91) ja auch nicht. Eigentlich kann man sich all diese Herren auch nicht beim Ausräumen einer Spülmaschine, beim Anstehen an der Supermarktkasse oder beim Aufhängen nasser Bettwäsche vorstellen. Sie haben also erheblich mehr Zeit alltäglich der Intellektualität zu frönen als, sagen wir mal, ich zum Beispiel. Denn ich habe einen WLAN-Router. Weiterlesen „Alltag, go home!“

Jazz, Jazz, Jazz

Woher meine Liebe zum klassischen Jazztrio in der Besetzung Schlagzeug, Kontrabass, Klavier kommt? Ich weiß es nicht mehr. In der Schule fand ich die Big Band cool. Selbst spielte ich im Orchester, aber die Big Band war cool. Naturgesetz. Dann fing ich mich an durch Bebop, Cool Jazz, Modern und ein bisschen Oldschool Jazz zu hören – querbeet, von Thelonious Monk, Miles Davis, Oscater Peterson bis Glenn Miller und Benny Goodman. Irgendwo bin ich hängen geblieben. Weiterlesen „Jazz, Jazz, Jazz“